Paladin Investorenbrief Q1/2020

Innerhalb kürzester Zeit hat das Corona-Virus die Welt erschüttert und unseren Alltag aus den Angeln gehoben. Gleichzeitig erlebten die Kapitalmärkte den schnellsten Börsencrash aller Zeiten. Mohamed El-Erian, ehemals CEO von PIMCO und heute Chief Economic Adviser der Allianz SE, bringt die immense Tragweite der Ereignisse in seiner Bloomberg-Kolumne auf den Punkt: „(But) I do feel strongly that we are living through a generation-defining moment and that too many are only now starting to grasp and respond as needed.“

Unser Fonds Paladin ONE steht in diesen turbulenten Tagen im Vergleich zu Indizes und anderen Aktienfonds sehr stabil. Während DAX & Co. seit Jahresbeginn rund 25 Prozent verloren haben, steht unser Fonds zum Quartalsende bei nur -7,5 Prozent. Die WirtschaftsWoche hat zudem ausgewertet, wie sich Aktienfonds mit Fokus Deutschland in diesem Umfeld geschlagen haben. Das Ergebnis lässt sichin der folgenden Tabelle ablesen.

Im Vergleich zeigt der Fonds Paladin ONE den geringsten Wertverlust im laufenden Jahr. Robuster ist keiner. Und gleichzeitig ist er praktisch der einzige Fonds, der über die letzten drei und fünf Jahre positiv abgeschnitten hat. Lediglich ein Mitbewerber hat es im Fünf-Jahres-Zeitraum zumindest knapp über die Nulllinie geschafft.

Für unsere Anleger im Paladin ONE besonders erfreulich: Die in der Tabelle gezeigte Wertsteigerung von 6,9 Prozent ist nicht die Gesamtrendite über fünf Jahre, sondern die durchschnittliche Rendite pro Jahr! Der historische Börsencrash der letzten Wochen ist hierbei bereits berücksichtigt.

Wer es bei einem schnellen Blick in den Rückspiegel belassen möchte, kann die Abkürzung nehmen und unter der Überschrift „Weitblick gefragt“ gemeinsam mit uns einen Blick in die Zukunft werfen. Soviel sei bereits an dieser Stelle verraten: Dies ist nicht die Zeit für präzise Marktprognosen, die bestenfalls suggerieren, dass man Kontrolle über die Ereignisse habe. Stattdessen zeigen wir lieber auf, warum wir den Fonds für jedes Wetter gut gerüstet sehen.

Zunächst jedoch ein herzliches Dankeschön an unsere Investoren. Ihr Vertrauen ist das Fundament, auf dem wir stehen. Ihre Treue gibt uns den Rückhalt, um weiter besonnen an der Stabilität und Performance des Portfolios arbeiten zu können. Auch in den vergangenen Wochen war unsere Investorenbasis unverändert solide. Diese Beständigkeit ist ein Garant dafür, dass wir im Rahmen des Portfolio-Managements bestmögliche Resultate erzielen können.

Wir wünschen viel Gesundheit und vielleicht etwas Zerstreuung beim Lesen!

Für das Paladin-Team

Matthias-Chr. Kurzrock      Marcel J. Maschmeyer

COVID-19: unsere Versicherung gegen den schwarzen Schwan

Im Jahr 2007 veröffentlichte Nassim Nicholas Taleb sein Buch „Der schwarze Schwan“. Darunter versteht er ein Ereignis, das selten eintritt und höchst unwahrscheinlich ist. Es geht um die extremen Konsequenzen dieser Ereignisse – und darum, dass sie im Nachhinein einfach zu erklären sind, vorab aber regelmäßig nicht als solche erkannt werden. Nach der Finanzkrise 2008 wurde dieses Buch zum Bestseller. Wenn wir später einmal auf 2020 zurückschauen, gut möglich, dass wir dann in COVID-19 Talebs schwarzen Schwan erkennen.

Zu Beginn des Jahres erreichten uns Nachrichten von einem Virus, das auf einem Viehmarkt in der chinesischen Provinzhauptstadt Wuhan auf den Menschen übergesprungen war. Das klang zu diesem Zeitpunkt wenig besorgniserregend. Das änderte sich auch nicht wesentlich, als in China Provinzen mit etlichen Millionen Einwohnern abgeriegelt wurden. China schien so weit weg.

Die Wahrnehmung änderte sich jedoch schlagartig, als das Virus begann, sich unkontrolliert in Norditalien auszubreiten. Bereits nach einer Woche gab es in Italien mehr als 1.000 Infizierte, in Deutschland gab es zu dieser Zeit nur knapp 50 Erkrankte; in den meisten anderen europäischen Ländern noch weniger.

Gleichzeitig wurden wir mit Maßnahmen und Nachrichten konfrontiert, die uns in ihrer Vehemenz – gerade im Kontext der damals noch verhältnismäßig geringen Anzahl Erkrankter in Europa – extrem nachdenklich stimmten: in Norditalien wurden Ortschaften mit zehntausenden Bewohnern abgeriegelt, die Lufthansa strich innerhalb weniger Tage 25 Prozent aller Flüge, NESTLE sagte weltweit alle Geschäftsreisen ab, über 50 Messen wurden gecancelt, Frankreich erließ ein pauschales Verbot für alle Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Personen…

Aus heutiger Sicht klingen diese Maßnahmen fast schon harmlos. Inzwischen wissen wir aber, dass sie erst der Anfang waren. Wir bewerteten die ersten Auswirkungen des Corona-Virus in Europa als bis dahin noch nie gesehene Eingriffe in unser Alltags- und Wirtschaftsleben.

Wir sprachen zu diesem Zeitpunkt ganz sicher noch nicht von einem Schwarzen Schwan; unbestritten handelte es sich jedoch um einen beispiellosen Vorgang – mit unabsehbaren, möglicherweise disruptiven Folgewirkungen für die Wirtschaft und damit auch für die Kapitalmärkte.

Dieser Einschätzung folgte ein Novum im Paladin ONE. Um Marktpreisrisiken effektiv abzusichern, kauften wir eine PUT-Option auf den DAX. Die Order datiert auf den 02. März 2020.

Die PUT-Option auf den DAX arbeitete für uns wie eine Versicherung mit hohem Selbstbehalt. Als wir die Option erwarben, stand der DAX bei rund 12.100 Punkten. Die Basis der Option lag bei 10.000 Punkten. Außer einem Zeitwert hatte dieses Papier zum damaligen Zeitpunkt insofern keinen echten inneren Wert – anders ausgedrückt: Sie war aus dem Geld. Deswegen war die Option auch relativ günstig. Wir konnten mit überschaubarem Kapitaleinsatz einen Großteil der Marktpreisrisiken im Fonds absichern.

Paladin ONE: mit angemessener Geschwindigkeit durch die Steilkurve

Folgende Charts zeigen nochmals die Entwicklung des Paladin ONE gegen DAX, MDAX und SDAX. Unser Fonds entwickelte sich seit Jahresbeginn gegenüber den genannten Indizes deutlich stabiler. Euro am Sonntag schreibt in der aktuellen Ausgabe: „Eine bemerkenswerte Leistung, die vor allem nicht dadurch erkauft ist, dass die beiden Fondsmanager ständig mit angezogener Handbremse investieren.“ Dies ist in der rechten Grafik gut zu erkennen. Bis zu dem jetzt erlebten Einbruch an den Börsen hat der Fonds die Aufwärtsbewegung an den Märkten gut nachvollzogen.

Der DAX steht über die letzten fünf Jahre gesehen mit etwas mehr als 17 Prozent im Minus. Der MDAX steht um die Nulllinie, der SDAX etwas im Plus. Der Fonds Paladin ONE erzielte im selben Zeitraum dagegen eine positive Wertsteigerung von 38 Prozent.

Wie ist das zu erklären? Insbesondere mit Blick auf die letzten Wochen, in denen die Märkte zu taumeln begannen? Kurz gesagt, es war ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren:

  • Die Value-Säule: als die ersten Corona-Fälle in Italien bekannt wurden, hatten wir rund 70 Prozent unseres gesamten Portfolios in Value-Aktien investiert. Natürlich ist an diesen Aktien der schwerste Börsensturm seit Jahrzehnten nicht schadlos vorbeizogen. Im Durchschnitt haben sich „unsere Aktien“ allerdings deutlich stabiler entwickelt als die Gesamtmärkte. 
  • Sondersituationen: Wie schon bei vergangenen Börsenrücksetzern sorgten einmal mehr die Sondersituationen im Fonds für Stabilität. Dieses Mal gab es allerdings eine echte Besonderheit: Wir haben in der heißen Phase unsere Sondersituationen vollständig veräußert. Und das aus zwei Gründen: Zum einen kann es in extremen Marktsituationen zu einem Austrocknen der Handelsliquidität in Sondersituationen kommen (und genau das haben wir zuletzt tatsächlich beobachten können). Zum anderen füllt sich bei den deutlich zurückkommenden Bewertungen im Gesamtmarkt die Liste der für uns potentiell attraktiven Zielunternehmen. Jetzt nicht gezielt investieren zu können, weil wir unter Umständen in Sondersituationen wegen fehlender Handelsliquidität festhängen, DAS wollten wir vermeiden. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich, dass Sondersituationen eine wichtige Säule unseres Fonds Paladin ONE sind und bleiben. 
  • Liquidität: Cash auf dem Konto verliert in fallenden Märkten keinen Wert – und stellt für uns heute eine wertvolle Kriegskasse dar, damit wir Opportunitäten nutzen können. 
  • Die Versicherung: Der DAX-Put hat uns wertvolle Dienste geleistet und den Fonds wirksam stabilisiert. Wir haben den Put zwischenzeitlich verkauft und stattdessen eine Short-Position im DAX-Future aufgemacht. Auch auf die Gefahr, dass es an dieser Stelle etwas technisch wird: Der Wert unserer DAX-Option ist vorab a) durch den stark fallenden Index und b) durch die stark erhöhte, eingepreiste Volatilität (= Schwankungsbreite) erheblich im Wert gestiegen. Ein weiterer Anstieg der Volatilität erschien uns kaum denkbar. Durch den Tausch der Option in den Short-Future haben wir uns die hohe Volatilität praktisch auszahlen lassen, ohne unsere Absicherung zu verlieren.

Weitsicht gefragt

Nach dem starken Absturz an den Börsen konnten sich die Märkte zuletzt von ihren Tiefstständen erholen. Die Optimisten sehen darin den Beginn eines Stabilisierungsprozesses. Sie stützen ihre Sicht der Dinge auch auf die in ihrem Umfang einmaligen Hilfspakete von Notenbanken und Regierungen weltweit. Getreu dem Motto: Ist die ins System gepumpte Liquidität nur ausreichend groß, können die Märkte nicht mehr fallen. Die Pessimisten betrachten die jüngste Erholung als typische Bärenmarktralley und erwarten nochmals tiefere Kurse. Sie verweisen darauf, dass die eigentliche Rezession mit Gewinnwarnungen und Pleiten gerade erst beginnt.

Wir hätten unsere Sicht der Dinge wohl kaum treffender auf den Punkt bringen können als Mohamed El-Erian, den wir nochmals zu Wort kommen lassen. Er schreibt im Rahmen eines Bloomberg-Beitrags unter der Überschrift Don´t read too much into Stock´s sudden rebound: „It’s hard to make the definitive case for either of these. There is simply too much uncertainty about the severity and duration of the underlying disruptor – the spread of the coronavirus – the extent of damage already done to economies and markets, and the smoothness of the eventual process to restart the economy”.

Für Investoren ein schwieriges Umfeld: Wer investiert, läuft Gefahr, in einer weiteren Abwärtsbewegung dabei zu sein. Wer an der Seitenlinie stehen bleibt, ist auf dem Weg nach oben definitiv nicht dabei.

Was ist nun das größere Risiko? Entgangene Gewinne sind ärgerlich, fallen aber in die Kategorie Phantomschmerzen. Echte Verluste – wenn das Portfolio an Wert verliert – tun richtig weh. Eines unserer wichtigsten Ziele im Paladin ONE ist es, stabil zu stehen. Genau aus diesem Grund haben wir nach wie vor einen fühlbaren Teil des Fonds über den oben beschriebenen Short auf den DAX-Future abgesichert.

Gleichzeitig setzen wir unsere Liquidität bereits gezielt ein. Schon während der letzten Tage hat sich hierdurch die Gewichtung der Value-Aktien im Fonds von 69 Prozent auf 76 Prozent erhöht. Behalten die Optimisten Recht, sind wir mit mehr Aktien auf dem Weg nach oben dabei, als zuvor auf dem Weg nach unten. Ja, natürlich kostet uns in diesem Szenario die Absicherung über den Short-Future Geld. Der positive Effekt – ausgedrückt in einer attraktiven Performance – sollte aber deutlich überwiegen.

Sollte es dagegen zu weiteren Verwerfungen an den Börsen kommen, wird uns die Absicherung – wie bereits bewiesen – auf dem Weg nach unten angenehm abfedern. Der Short-Future würde uns mit jedem Tagesverlust im DAX zusätzlich Liquidität auf unserem Konto einbringen. Liquidität, die wir gezielt in immer attraktiver werdende Opportunitäten investieren können.

In diesem Zuge könnten sich ganz außergewöhnliche Gelegenheiten, gerade bei klein- bis mittelgroß kapitalisierten Unternehmen, ergeben. Im Krisenmodus trocknet hier häufig die Handelsliquidität in den Aktien dramatisch aus. Müssen andere Investoren verkaufen – beispielsweise Fonds, die Mittelabflüsse haben – gehen Aktien zu Ausverkaufspreisen über den Tisch. Wer dann über Liquidität verfügt, kann Schnäppchen machen. Kaum ein deutscher Aktienfonds dürfte aktuell über eine derart hohe Cashquote verfügen wie unser Paladin ONE.

Die Value-Säule im Corona-Check

Wir haben uns bislang sehr ausführlich dem aktuellen Umfeld und der Portfolioausrichtung im Paladin ONE gewidmet. Werfen wir nun gemeinsam einen Blick auf die einzelnen Unternehmen im Fonds. Dabei wollen wir mit einigen Neuankömmlingen beginnen, in denen wir im Laufe der vergangenen Wochen überhaupt erst nennenswerte Positionen aufgebaut haben:

   Online-Apotheken. Deutschland schuf im vergangenen Jahr die rechtlichen Grundlagen für die Einführung des elektronischen Rezepts (eRezept). Dadurch wurde der Grundstein für die Digitalisierung des heute noch millionenfach in Papierform ausgestellten Rezepts gelegt. Das eRezept kann sich dabei zum Wachstumstreiber des Online-Versands von verschreibungspflichtigen Medikamenten entwickeln. Heute muss das Papierrezept noch postalisch bei der Online-Apotheke eingereicht werden, was eine große Hürde darstellt. Zukünftig soll das Rezept per Handy – beispielsweise als QR-Code – zur Online-Apotheke gelangen. Medikamente sind für den Online-Versand prädestiniert: standardisierte Produkte, kleine Produktgrößen, hoher Warenkorbwert, geringe Retourquoten. In Ländern wie Schweden hat sich nach Einführung des eRezepts der Online-Anteil bei verschreibungspflichtigen Medikamenten vervielfacht. Vor diesem Hintergrund beteiligten wir uns bereits im letzten Herbst bei den beiden größten Online-Apotheken, Shop Apotheke und Zur Rose („DocMorris“). Durch den Ausbruch der Corona-Krise erhalten die Online-Apotheken operativ kräftig Rückenwind. Hinzu kommt allerdings ein noch bedeutenderer Sachverhalt, der auch über die aktuelle Krise hinaus Relevanz haben sollte: Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung, wenn diese durch Quarantänebestimmungen zu Hause festsitzt. Das dürfte dem Interessenverband der herkömmlichen Apotheker, der unverändert ein Versandverbot von Medikamenten fordert, den Wind aus den Segeln nehmen. Die beiden Online-Apotheken, an denen wir beteiligt sind, decken rund 60 Prozent des gesamten deutschen Marktes ab. Als wir die Investments eingegangen sind, machten sie zusammen rund 4 Prozent des Portfolios aus. Kursanstiege und gezielte Aufstockungen erhöhten die Gewichtung zwischenzeitlich auf zusammen 6,5 Prozent.

   ADO Properties. Bereits im letzten Dezember kündigte ADO Properties die Übernahme von Adler Real Estate und eine Beteiligung am Projektentwickler CONSUS an (inklusive Option zur mehrheitlichen CONSUS-Übernahme). Die Transaktion weckte von Beginn an unser Interesse. Unter anderem deshalb, weil die übernehmende ADO Properties mit Schwerpunkt auf Berliner Wohnimmobilien durch den dort beschlossenen Mietendeckel bereits vorab kräftig unter Druck geraten war. Im Zuge der jüngsten Börsenturbulenzen wurde die ADO Properties-Aktie nochmals abgestraft. Notierte die Aktie vor einem halben Jahr noch bei über 55 Euro, war sie zwischenzeitlich für rund 15 Euro zu haben. Die Aktivseite des Unternehmens mit Wohnimmobilien und einer Beteiligung am Projektentwickler CONSUS rechtfertigt einen solchen Kursrückgang kaum. Vielmehr wurde der Abverkauf der Aktie zuletzt durch Sorgen beschleunigt, die die Passivseite betreffen: Ohne eine (bereits angekündigte) Barkapitalerhöhung läuft die neue ADO Properties Gefahr, durch die Rating-Agenturen in den Bereich Non-Investment-Grade („Schrottanleihen“) herabgestuft zu werden. Gleichzeitig war im Kapitalmarkt noch nicht transparent, wie hoch ein etwaiger Refinanzierungsaufwand ausfallen könnte, der sich bei der übernommenen Adler Real Estate AG durch sogenannte change-of-control-Klauseln ergeben könnte. Hierfür hatte sich das Unternehmen über ein Bankenkonsortium eine Brückenfinanzierung über 2,9 Mrd. Euro organisiert. Aber eine derartige Brückenfinanzierung in langfristige Strukturen umzufinanzieren, hätte sich als Husarenstück erweisen können – insbesondere im derzeitigen Krisenumfeld und bei einem gleichzeitigen Abrutschen in den Bereich Non-Investment-Grade. Wir haben viel Energie investiert, um die einzelnen Fremdkapitalkomponenten bei ADO Properties und der übernommenen Adler Real Estate zu durchleuchten. Das Ergebnis unserer Recherche durfte uns entspannen: Bei den Adler Real Estate-Anleihen haben die Inhaber praktisch vollständig auf ihr Recht einer sofortigen Rückzahlung infolge der Kontrollübernahme verzichtet; die Covenants für die bestehenden Anleihen sehen gut aus; und die einzelnen Fremdkapitalinstrumente erfordern ansonsten in absehbarer Zeit keine größere Refinanzierung. Vor diesem Hintergrund kauften wir bei fallenden Kursen sukzessive ADO-Aktien. Nach der jüngsten Kurserholung ist die Position derzeit mit 4,3 Prozent im Fonds Paladin ONE gewichtet.

   1&1 Drillisch / United Internet. Die United Internet-Tochter 1&1 Drillisch hat im vergangenen Jahr erfolgreich an der Versteigerung der Frequenzen für das neue 5G-Netz teilgenommen. Damit legte sie den Grundstein für den Aufbau eines eigenen Telekommunikationsnetzes. Die Börse registrierte die Transformation des Geschäftsmodells vom Wiederverkäufer von Telekommunikationsleistungen zum Netzbetreiber mit kritischem Stirnrunzeln. Die Befürchtung war, dass das bisher investitionsarme Geschäft durch hohe Kapitalabflüsse für den Aufbau der Infrastruktur über Jahre hinweg belastet werden würde. Noch ist der Weg – hin zum Netzbetreiber – nicht vollends visibel. Doch bereits in den letzten Monaten wurde klar, dass (entgegen der Befürchtungen der Börse) wohl keine fühlbare Fremdfinanzierung aufgebaut werden muss, die Investitionen unter dem Strich niedriger ausfallen werden als ursprünglich gedacht (auch durch Mietmodelle für die Infrastruktur) und insofern aus den laufenden Cashflows bezahlt werden können. Die United Internet- und die 1&1-Drillisch-Aktien gerieten in den jüngsten Börsenturbulenzen kräftig unter Druck. Und das in einem Ausmaß, das uns angesichts eines konjunkturresistenten Geschäftsmodells überzogen erschien. Nachdem wir die Unternehmen seit mittlerweile einem Jahr kontinuierlich beobachten, erhöhten wir bei Abschlägen von mehr als 70 Prozent vom historischen Hoch die Position in beiden Gattungen auf zusammen rund 5,5 Prozent.

Damit kommen wir zu unseren Beteiligungen, in die wir bereits seit längerem investiert sind. Selbstredend verfolgen wir mit Argusaugen, ob und in welcher Ausprägung diese Unternehmen durch die Corona-Krise beeinträchtigt werden könnten:

   Medios. Das Unternehmen versorgt Patienten mit wichtigen Medikamenten. Das operative Geschäft ist insofern vom Herunterfahren der Wirtschaft überhaupt nicht betroffen. Ganz im Gegenteil: Die Gesellschaft wird im laufenden Jahr auch in einem rezessiven Umfeld erneut stark wachsen. Klar besteht das Risiko, dass sich Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infizieren. Aber der Vorstand hat unserer Meinung nach getan, was er tun konnte: im Herstellbetrieb werden vier Schichten an zwei Standorten gefahren; die Mitarbeiter der unterschiedlichen Schichten dürfen keinen Kontakt haben. Sollte sich ein Mitarbeiter infizieren, ist damit nicht der gesamte Herstellbetrieb lahmgelegt. Gleichzeitig scheint das Unternehmen im Hintergrund an einer größeren Transkation zu arbeiten. So hat Medios im Zuge einer kleineren Akquisition jüngst gemeldet, dass sich das Unternehmen eine Finanzierungslinie über mehr als 60 Mio. Euro gesichert hat. Wir sind gespannt!

   FJORD1. Über unseren norwegischen Fährbetreiber berichten wir regelmäßig. Das Unternehmen steht in der aufziehenden Rezession wie ein Fels in der Brandung: 58 von 65 Fähren werden unter Verträgen mit dem norwegischen Staat betrieben, die FJORD1 eine Vergütung garantieren; der Höhe nach vollständig unabhängig von Passagier- und Fahrzeugzahlen. Damit reduziert sich das operative Risiko im Fährbetrieb darauf, dass Passagiere während der Überfahrt weniger Brötchen und Kaffee an der Snacktheke kaufen. Gleichwohl müssen wir festhalten, dass uns die Entwicklung der Norwegischen Krone zwischenzeitlich Kopfschmerzen bereitete, nachdem sie sich im Zuge des Ölpreisschocks abgeschwächt hatte.

   Blue Elephant Energy. Das Unternehmen kommunizierte den Aktionären kürzlich erneut ein positives Update zur operativen Entwicklung. Sehr erfreulich, auch für uns. Zu gegebener Zeit werden wir über diese Beteiligung sicher nochmals im Detail berichten. An dieser Stelle nur so viel: Die Solar- und Windparks produzieren unabhängig von Corona weiterhin Strom.

   Gewerbeimmobilien. (K)eine gute Branche, im Kontext einer beginnenden Rezession? Wir sehen bei unseren beiden Unternehmen aus diesem Bereich vorteilhafte Konstellationen, die uns ruhig in die Zukunft schauen lassen. Die DEMIRE AG hat als Großaktionär einen Finanzinvestor, dem wir perspektivisch Ambitionen für den Verkauf seiner Beteiligungen zutrauen (was für uns gleichbedeutend mit einem Übernahmeangebot wäre). Und dieses perspektivische Exit-Szenario sollte unserer Meinung auch die Börsenbewertung der Gesellschaft nach unten absichern.  

   Die Deutsche Konsum investiert in Einzelhandelsimmobilien, im Schwerpunkt mit Fokus auf Waren des täglichen Bedarfs. Natürlich haben wir mit dem Vorstand über etwaige Risiken aus dem jüngst beschlossenen Paket zum Schutz des Einzelhandels gesprochen. Dieses Paket sieht auch die Möglichkeit vor, dass der Mieter eine Stundung der Miete erklärt. Die Deutsche Konsum REIT ist in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Der Vorstand sagt, dass rund 70 Prozent der gesamten Mieterlöse mit Händlern erzielt werden, die „systemrelevant“ sind (insbesondere Lebensmitteleinzelhandel). Derzeit haben rund 85 Prozent der Mieter geöffnet; lediglich für 4 Prozent der Mieterlöse wurde eine Stundung der Miete für April angekündigt. Das Delta zwischen den 70 Prozent auf „systemrelevanten“ Mietern fußenden Erlösen und den gestundeten Mieten entfällt im Wesentlichen auf Bau- und Gartenmärkte, die in manchen Bundesländern geschlossen sind. Die wichtigste Botschaft: Der größte Teil der Mieten entfällt auf Mieter, deren Geschäft auch aktuell ohne Beeinträchtigung weiterläuft, oder zumindest nicht geschlossen ist. Bei einer niedrigen Fremdkapitalquote ist das Unternehmen mit dieser Mieterstruktur gut positioniert.

Mit den skizzierten Unternehmen haben wir über die Hälfte unserer Value-Säule abgedeckt. Um den Rahmen dieses Investorenbriefs nicht zu sprengen, möchten wir es an dieser Stelle dabei belassen.

Zusammenfassend können wir festhalten, dass wir mit Blick auf das Gesamtportfolio im Paladin ONE gut aufgestellt sind. Jede Beteiligung hat unternehmensspezifische Risiken, das ist unbestritten. In Summe sehen wir die Portfoliounternehmen jedoch sehr solide aufgestellt. An dieser Einschätzung kann aus heutiger Sicht auch keine aufziehende Rezession, oder daraus möglicherweise entstehende Engpässe auf den Refinanzierungsmärkten – insbesondere auf der Fremdkapitalseite – rütteln.

Anlagestrategie des Paladin ONE

Der Paladin ONE ist ein Aktienfonds, der primär in Aktien aus dem deutschsprachigen Raum investiert (D-A-CH). Eine benchmarkorientierte Denkweise wird bewusst vermieden. Der absolute Vermögenserhalt steht im Vordergrund.

Wir verfolgen zwei Ziele:
1. eine durchschnittliche Performance von 10% p.a. im langjährigen Durchschnitt
2. bei einer im Vergleich mit gängigen Aktienindizes deutlich geringeren Volatilität. 

Der Fonds investiert ausschließlich auf Basis von eigenem Research in ein konzentriertes Portfolio aus 15 bis 25 Aktien.
Der dem Paladin ONE zugrunde liegende selbst entwickelte, stringente Investmentansatz setzt auf drei Säulen: Value-Aktien, Sondersituationen und Liquidität.
Value-Aktien sind unserer Definition nach unterbewertete Unternehmen mit der Fähigkeit, nachhaltig positive Zahlungsströme zu generieren (Free Cashflow). Die Auswahl geeigneter Unternehmen erfordert im ersten Schritt die Analyse großer Datenmengen. Hierbei profitieren wir von einer großen und sukzessive weiter wachsenden Wissensdatenbank. Die Analyse potentieller Zielunternehmen erfolgt mit unserem selbst entwickelten Analysetool. Hinzu kommen Gespräche mit dem Management der Zielunternehmen. Jede Investmententscheidung wird im Rahmen eines internen Dokuments ausführlich verschriftlicht.
Sondersituationen (sogenannte Special Situations) bilden die zweite Säule unseres
Anlagekonzeptes. Durch die Investition in Sondersituationen gewinnt das Portfolio deutlich an Planbarkeit und Stabilität. Um diese Situationen richtig zu erkennen, zu bewerten und treffsicher zu nutzen, bedarf es langjähriger Erfahrung und sehr spezieller juristischer Kenntnisse. Das Paladin-Team verfügt über den wertvollen Erfahrungsschatz von mehr als 150 analysierten Sondersituationen.
Eine stark atmende Liquidität ist die dritte Säule unserer wertorientierten Anlagestrategie. Diese sichert in Phasen von verstärkten Kursbewegungen die Wertentwicklung des Fonds gegen zu starke Kursschwankungen ab und dient gleichzeitig als trockenes Pulver für neue Opportunitäten.

Wertentwicklung des Paladin ONE

Alle Berechnungen auf Basis der Bewertung vom 31. März 2020

Das Resultat lässt sich am besten in folgendem Chart ablesen. Hier ist gut zu erkennen, dass sich der Fonds – insbesondere in schwachen Marktphasen – deutlich stabiler entwickelt hat als der CDAX.

Paladin ONE vs. CDAX (relativ), Zeitraum: 17.11.2014-31.03.2020

Das Portfolio des Paladin ONE zum 31.03.2020

Ganz oben auf der Wunschliste unserer Investoren steht regelmäßig ein umfassender Einblick in das Portfolio des Paladin ONE. Größtmögliche Transparenz bietet das Factsheet unseres Fonds mit tagesaktuellen Informationen zum Paladin ONE:

  • Performance und Kennzahlen
  • aktuelle und historische Gewichtung der drei Säulen Value-Aktien, Sondersituationen und Liquidität im Zeitverlauf
  • Top 10 Positionen, Übersicht Länderallokation und Gewichtung des Portfolios nach Marktkapitalisierung